Asthma

Asthma nimmt in vielen industrialisierten Ländern zu. die Gründe sind nicht so sehr in der "schlechten Aussenluft", sondern viel eher in den eigenen Wohnräumen zu suchen. Passiv dem Zigarettenrauch der Eltern ausgesetzt zu sein, dazu noch mit einem Haustier zusammen zu leben kann für ein Asthmakind viel schädlicher sein, als während hohen Ozonwerten draussen zu spielen! Viele Asthmapatienten durchlaufen eine ganze Odyssee quer durch alle medizinischen Disziplinen und manchmal auch der so genannten Alternativmedizin, bevor die Diagnose Asthma gestellt wird. Eine effektive Prävention und Behandlung können jedoch erst nach einer seriösen Diagnosestellung eingeleitet werden. Aufklärung und Information sind beim engagierten Arzt selbstverständlich. Denn je mehr der betroffene Patient und/oder die Eltern eines betroffenen Kindes selber über diese Erkrankung wissen, umso besser können sie die nötige Abklärung verstehen und die Behandlungsmassnahmen des Arztes nachvollziehen. Die präventiven und therapeutischen Schritte werden somit besser umgesetzt. Eine weiterführende Information und Schulung bleibt also das A und O der guten Patientenbetreuung.

Was ist Asthma

Asthma ist eine Atemwegserkrankung, bei der die Bronchien chronisch entzündet sind. Die Entzündung wiederum erhöht die Bereitschaft zu anfallsartigen oder dauernden Verengungen der Bronchien. Die Muskulatur um die Atemwege zieht sich zusammen, die Schleimhaut der Bronchien schwillt an und die Schleimbildung verstärkt die Verengung zusätzlich. Dadurch wird das Atmen anstrengend. Mit Husten versucht der Körper, die Luftwege vom überflüssigen Schleim zu befreien. Bei schwerem Asthma sind die Atemzüge oft von pfeifenden und keuchenden Geräuschen begleitet. Schwere Asthmaanfälle können lebensbedrohlich sein und müssen sofort behandelt werden.

In der Schweiz leiden rund 7% aller Erwachsenen und rund 10% aller Kinder an Asthma, Tendenz steigend. Die Erkrankung kann bei jedem Menschen in jedem Alter auftreten. In einzelnen Familien tritt Asthma gehäuft auf. Neben erblichen Faktoren spielen Umwelteinflüsse, als Auslöser oder Trigger eine entscheidende Rolle.

Typische Asthmasymptome

Andauernder trockener Husten oder Hustenreiz, eventuell mit Auswurf von klarem, zähem Schleim begleitet, nur nächtlicher Husten, Atemnot, pfeifende, keuchende Geräusche beim Ausatmen. Es kommen auch andere, leichtere Symptome wie etwa Kurzatmigkeit oder Engegefühle auf der Brust vor. Manchmal treten einzelne Symptome auch erst bei grösseren körperlichen Anstrengungen auf.

Asthmaauslöser und Asthmatrigger

Man unterscheidet Asthmaauslöser (=Ursache) und Asthmatrigger ("Verschlimmerer"). Auslöser von Asthmaerkrankungen sind typischerweise Allergene, vor allem Eiweisse von Hausstaubmilben, Tieren (Katzen, Meerschweinchen, Hunde, Pferde etc.), Pollen, Schimmelpilzsporen und im Beruf vorkommende Substanzen (z.B. Isozyanate, Mehlstaub). Zusätzlich können frühkindliche Atemwegsinfektionen sowie noch unbekannte erbliche Faktoren die Asthmaentwicklung fördern.

Wenn einmal eine asthmatische Entzündungsreaktion besteht, können viele unspezifische Trigger Asthmaattacken auslösen (kalte Luft, sportliche Betätigung, scharfe Gerüche, Rauch, Luftschadstoffe etc.). Diese äussern sich mit Engegefühl, Atemnot oder Husten. Triggerfaktoren sind also Substanzen, die selber kein Asthma bewirken, aber bei schon bestehendem Asthma Symptome auslösen oder verstärken können. Da Immunreaktionen von der Psyche und von Emotionen beeinflusst werden, können auch Stress, Sorgen etc. zu Asthmabeschwerden führen.

Asthmaauslöser (Ursachen)

Asthmatrigger

Prävention von Asthma

Allergenvermeidung (Prävention)

Damit das Ziel der Asthmabehandlung erreicht werden kann, müssen die Patienten über ihre Auslöser und Triggerfaktoren informiert sein. Information und Beratung sind die wichtigsten Instrumente auf dem Weg zum Ziel. Um dieses zu erreichen, ist auch eine sorgfältige Allergieabklärung unumgänglich. Gerade bei Jugendlichen sind viele Asthmaerkrankungen allergisch bedingt. Die häufigsten Inhalationsallergene sind: Hausstaubmilben, Tierhaare, Pollen, Latex und Pilzsporen. Allergene sind zudem diejenigen Auslöser, die man am ehesten vermeiden kann. Durch das Vermeiden der Auslöser werden schlussendlich auch Triggerfaktoren besser toleriert: Ein Patient, der bis anhin auf kalte Luft oder gewisse Parfums mit einem Asthmaanfall reagiert hat, kann nach Vermeiden des Allergens (z.B. erfolgreicher Hausstaubsanierung) und guter symptomatischer Therapie Parfums wiederum riechen und hat auch weniger Probleme bei kalter Luftexposition. Die konkrete Umsetzung dieser Ratschläge ist in der Praxis allerdings problematisch: Zum Beispiel ist die Reduktion der Milben schwierig und setzt die konstante Bemühung des Patienten voraus. Es ist gelegentlich nicht einfach, einen Patienten zu überzeugen, sich von einem lieb gewonnenen Haustier, welches als Auslöser des Asthmas identifiziert wurde, zu trennen.

Aufwändig ist auch die Beratung bei beruflich bedingten Allergien: Bäcker können allergisch auf Mehlstaub reagieren und ein Bäckerasthma entwickeln. Das Bäckerasthma gehört in der Schweiz zu den häufigsten Berufserkrankungen. Gelegentlich sind die betroffenen Personen gezwungen, Ihren Beruf zu wechseln.

Umgebungssanierung

Allergenvermeidung fängt bei sich zu Hause an. Bei der Umgebunssanierung steht vor allem die Reduktion der Anzahl Hausstaubmilben im Vordergrund. Nachfolgende Empfehlungen können den Patienten und seine Familie in den gemeinsamen Bemühen unterstützen. Die Mühe wird sich lohnen! Eine allergenarme Umgebung wirkt sich günstig auf die Schwere der Erkrankung aus.

Behandlung von Asthma

Die Asthmabehandlung

Im Wesentlichen beruht die Therapie des Asthmakranken auf drei Pfeilern:

1. Identifikation des Auslösers und falls möglich, Elimination des Auslösers (Prävention)

2. Antientzündliche Behandlung für die Atemwege (Baistherapie)

3. Erweiterung der verkrampften Bronchien (bronchialerweiternde Mittel)

Ziel der Asthmabehandlung ist eine Symptomfreiheit bei normalem Lebensstil, ohne Einschränkungen im Familienalltag, Schule, Beruf, Freizeit und Sport. Dies beinhaltet auch den ungestörten Nachtschlaf frei von Asthmasymptomen und das Erreichen einer möglichst normalen Lungenfuntion.

Asthmamedikamente

Die Dosis ist durch den Arzt festzulegen! Die hier namentlich erwähnten Medikamente gehören zu den häufig verordneten und dienen als Beispiele für den jeweils verwendeten Basisstoff.

1. Antientzündliche Basismedikamente

2. Bronchialerweiternde langwirksame Medikamente

3. Bronchialerweiternde kurzwirksame Medikamente

4. Kombination - antientzündliche und langwirksame, bronchialerweiternde Medikamente

5. Weitere Medikamente

Entzündungshemmende Mittel (Basistherapie)

Der zweite Pfeiler der Therapie bruht in der Verminderung der Entzündungsreaktion, im Besonderen der Atemwege. Dies wird im Wesentlichen durch die Verabreichung von topischen Kortikosteroiden (inhalierbare, lokal wirkende Kortisonpräparate)erreicht. Im Spray oder als Pulverinhalation zur Verfügung gestellte Kortisonpräparate sind sehr nebenwirkungsarm und haben sich bei der Therapie des Asthmas ausgezeichnet bewährt. Sie wirken lokal, das heisst dort, wo man sie einsetzt (Nase, Bronchien). Die inhalierbaren Kortisonpräparate werden vom Organismus nur in sehr kleinen Dosen aufgenommen. Diese kleinsten Mengen werden von der Leber sofort inaktiviert. Deshalb treten keine allgemeinen Nebenwirkungen auf. Gelegentlich kommt es zu lokalen Nebenwirkungen wie Heiserkeit oder Pilzwachstum im Mund. Nach der Inhalation ist es darum wichtig, den Mund gut zu spülen oder etwas zu essen. Die Kortikosteroidtherapie muss so eingestellt werden, dass der Patient nach zwei bis vier Wochen Therapie möglichst symptomfrei ist, z.B. nachts nicht mehr aufwacht und Triggerfaktoren toleriert. Der Patient merkt dies selbst am besten dadurch, dass er die sofort wirkende bronchialerweiternden "Pümpli" oder Pulver höchstens noch ein bis zwei Mal pro Woche benötigt (gut eingestelltes Asthma).

Bronchialerweiternde Medikamente

Neben dieser Basistherapie brauchen viele Patienten auch bronchialerweiternde Mittel. Diese sind zum Teil nur kurz wirksam, manche wirken den ganzen Tag, Formoterol wirkt sofort und langzeitig (Oxis, Foradil). Es ist wichtig, dass der Patient weiss, dass diese bronchialerweiternden Medikamente die Entzündung nicht eindämmen, sondern nur die Bronchien erweitern! Falls er die Medikamente öfters (Mehr als 3-mal pro Woche) benötigt, weil er immer noch Beschwerden hat, ist dies als Zeichen zu werten, dass die Basistherapie ungenügend ist.

Weitere Asthmamedikamente

In neuerer Zeit wurden Leukotrien-Antagonisten auf den Markt gebracht. Diese "Pille gegen Asthma" ist bei bestimmten Formen des Asthmas hilfreich und wird als ergänzende Therapie des Asthmas eingesetzt. Die Leukotrien-Antagonisten ersetzen in der Regel die inhalierbaren Kortisonpräparate nicht, eventuell reduzieren sie deren Gebrauch. Gut wirken diese Leukotrien-Antagonisten bei einem Asthma, das mit einer Schmerzmittelunverträglichkeit einhergeht wie z.B. beim Aspirinasthma. Oder als Basistherapie bei Anstrengungsasthma und bei leichteren Formen von allergischem Asthma. Weitere Medikamente die bei Asthma eingesetzt werden sind Cromoglicate, Ipratropiumbromid. Noch in der Versuchsphase ist das so genannte Anti-Ig E (Immunglobulin-E) zur Injektion. Welche Mittel für den einzelnen Asthmatiker die richtigen sind, muss der behandelnde Arzt ermessen.

Spezifische Immuntherapie

Allergische Erkrankungen können durch eine spezifische Immuntherapie (IT) positiv beeinflusst werden. Dabei wird das verursachende Allergen in kleinen Dosen unter die Haut gespritzt, mit dem Ziel, das Immunsystem so umzuprogrammieren, dass das betreffende Allergen besser toleriert wird. Sie kann gerade bei pollenbedingtem Asthma die Symptome mildern und das Fortschreiten der Erkrankung blockieren. Ob eine solche Immuntherapie zusätzlich zur medikamentösen Therapie erfolgen soll, muss der allergologisch erfahrene Arzt, nach sorgfältiger Abklärung unter Berücksichtigung der Gegenindikationen, entscheiden.

Typische Fehler in der Asthmatherapie

Insgesamt ist zu betonen, dass die Therapie des Asthmas eine Langzeittherapie darstellt und eine enge Zusammenarbeit zwischen Patient und Arzt erfordert. Das Absetzen von Medikamenten ohne Rücksprache mit dem Arzt ist riskant. Mit einem gut eingestellten Asthma sollte man ein ganz normales Leben führen können. Gerade bei Kindern soll das Asthma so behandelt werden, dass sportliche Aktivitäten möglich sind. Kinder mit Asthma sollten vom Schulsport nicht dispensiert, sondern dazu motiviert werden! Von extrem wichtiger Bedeutung ist die richtige Handhabung der verschiedenen Inhalationsgeräte. Der häufigste Fehler in der Asthmatherapie besteht darin, dass die Technik des Inhalierens nicht beherrscht wird. Es gibt Dosieraerosole mit Vorschaltkammer, Trockenpulver-Inhalatoren "Turbuhaler", Diskus, Diskhaler, Aerolizer und Düsenvernebler. Die Wahl des entsprechenden Inhalationsgeätes richtet sich nach dem Alter des Patienten, dem korrekten Beherrschen, der Inhalationstechnik und hängt vom individuellen Ansprechen auf die Therapie ab. Der verordnende Arzt muss sich die nötige Zeit nehmen, um die korrekte Handhabung zu erklären. Wenn immer möglich lohnt es sich, eine umfassende Asthmaberatung durchzuführen.

Komplementärmedizin und Asthma

Die chronische Entzündung der Atemwege lässt sich nur mit den vorgängig erwähnten Massnahmen einer Allergenreduktion und einer antientzündlichen, medikamentösen Therapie behandeln. Es gibt keine wissenschaftlichen Hinweise, dass andere Methoden die Entzündung günstig beeinflussen könnten. Als begleitende, zusätzliche Massnahmen sind heute komplementäre, so genannte "alternative" Methoden beliebt, da sie das Wohlbefinden fördern sollen. Alternative Methoden bergen aber für Asthmakranke auch Risiken. Es ist daher wichtig, solche Fragen immer mit dem behandelnden Arzt zu besprechen.

Was Sie noch wissen sollten

Richtig atmen

Richtig und entspannt atmen ist gerade für Leute mit Asthma besonders wichtig. Mit geeigneten Atemtechniken lässt sich sowohl die Atmung als Ganzes verbessern, das Risiko von Atemnot vermindern, als auch eine akute Atemkrise besser bewältigen. Solche Atemtechniken kann man bei Atempädagoginnen, Atemphysiotherapeuten, in Kursen oder in spezialisierten Zentren erlernen. Dazu gehören:

Gibt es das ideale Asthmaklima?

Ein für alle Asthmaformen ideales Klima gibt es nicht. Die trockene, allergen- und staubarme Bergluft empfiehlt sich für allergische Asthmatiker, die auf Pollen, Hausstaubmilben und andere Luftverunreinigungen reagieren. Zu beachten ist aber: Das Klima allein kann ein chronisches Asthma nicht anhaltend verbessern und es ersetzt die medikamentöse Therapie und Patientenberatung nicht.

Der psychische Faktor

Asthma ist keine psychische Krankheit! Aber starke Gefühle wie Wut oder Angst können Atemnot oder Husten auslösen. Es lohnt sich daher, gute Strategien zur Bewältigung solcher Alltagssituationen zu entwickeln. Entspannung spielt dabei eine zentrale Rolle. Besonders empfehlenswert sind für Menschen mit Asthma Atemübungen und Entspannungtechniken. Wichtig ist es, die Methode zu finden, die einem persönlich am besten zusagt.

Sport trotz Asthma

Noch kommt die Meinung vor, Asthmatiker müssten sich in jedem Fall schonen und körperliche Belastungen vermeiden. Asthmatiker sind körperlich aber genauso leistungsfähig wie andere Menschen! Voraussetzung ist eine gute medizinische Behandlung und ein angepasstes Training. Es gibt auch Spitzensportler, die an Asthma leiden. Eine gute Behandlung ermöglichte einige von ihnen zu Weltmeisterehren zu kommen oder Olympiasieger zu werden, wie z.B. Mark Spitz, der sieben Goldmedaillen im Schwimmen gewann. Auch für Asthmapatienten gilt: Wer rastet, der rostet. Wenn man sich nicht bewegt, werden die Lunge, das Herz, die Gefässe und Muskeln geschwächt. Wer trainiert, braucht für die gleiche Arbeit weniger Luft und Sauerstoff und hat weinger Atemnot. Aus diesem Grund gehört das körperliche Training zur Asthmatherapie. Als Sportarten eignen sich am besten: Schwimmen, Jogging, Velofahren, Wandern, Langlaufen, Gymnastik.

Rehabilitation

Asthma kann zu verschiedenen negativen Auswirkungen auf die Gesundheit führen: Konditionsmangel, Verschlechterung der Lebensqualität, vermindertes Selbstwertgefühl, Angst und erschwerte soziale Kontakte. In solchen Situationen sind rehabilitative Massnahmen notwendig. Eine Fächerübergreifende Rehabilitation durch Ärzte, Physio- und Sporttherapeuten, Ernährungsberater, Psychologen, Lehrer u.a. ist oft ambulat möglich. In schweren Fällen kann sie aber auch stationär in speziell dafür vorgesehenen Kliniken durchgeführt werden.

Atemkrise – was tun?

Jede Asthmatikerin und jeder Asthmatiker kann sich auf eine akute Atemkrise vorbereiten. Ein solcher persönlicher Notfallplan sollte vorgängig mit dem Arzt besprochen werden. Beispiel:

1. Einnehmen einer atemerleichternden Körperposition, ruhig und langsam mit Lippenbremse atmen (d.h. die Ausatmung verlängern.)

2. Tiefes und ruhiges Inhalieren eines schnell wirkenden bronchialerweiternden Medikamentes mit dem Inhalationsgerät.

3. Tritt nach wenigen Minuten keine Besserung ein, müssen die Notfallmedikamente, wie vorgängig mit dem behandelnden Arzt besprochen, eingenommen werden.

4. Regelmässiges Trinken eines warmen Getränkes zur Verflüssigung des zähen Schleimes.

5. Helfen alle Massnahmen nichts: Arzt oder Notfalldienst alarmieren.

 

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Abdomen: Bauchregion

Ablation: Operative Entfernung

Anamnese: Vorgeschichte einer Krankheit

Angina pectoris: Erkrankung der Herzkranzgefässe

Angioplastie: Ausdehnung eines Blutgefässverschlusses mit einem Ballonkatheter

Arrhythmie: Unregelmässige Herzschlagfolge

Aspiration: Ansaugen von Luft oder Flüssigkeiten